Die Young Marble Giants waren (und sind wieder) eine Band aus Wales, die zu Anfang der achtziger Jahre ein schmales Werk hinterlassen hat, dem aber schnell einen legendärer Status zuteil wurde. Streng genommen waren es ein Album („Colossal Youth“; Namensstifter für die Hamburger Band namens Kolossale Jugend), eine Single („Final Day“) und eine EP („Testcard“). Dazu gab es noch fünf Stücke, die bei der BBC für die Sessions des legendärsten Radiomoderators aller Zeiten John Peel aufgenommen wurden. Und der wusste ja stets bescheid, was der heiße Scheiß war. Das minimalistische und kostengünstige Album wurde gerade deshalb schnell zur Legende, da es anders war als alles je Gehörte. Nach ein paar Jahren des Punk orientierten Musiker sich neu, da das Punk-Modell immer Macho-durchseuchter wurde und musikalisch stagnierte. Auf der Suche nach neuen Formen fand man in Cardiff den kristallklaren Minimalismus und nahm die Songs auf mit einer Farfisa-Orgel, Gitarre, Bass und Drumcomputer. Arrangiert, wie gesagt, so minimalistisch, wie es einem Popsong gerade noch dienlich ist, und dabei von einer beklemmenden Düsternis, wie sie das Wirtschaftsklima der frühen Achtziger so häufig erzeugte – nur ohne den Rückgriff auf irgendwelche gothischen Klischees, ebensowenig, wie verzerrte Gitarren anderer Finstergenres wie bestimmte Spielarten von Punk oder Metal zu verwenden. Minimalistisch aufgenommen und doch vollkommen klar, also nicht verrauscht oder schlampig gespielt wie bei vielen Vertretern von Lo-Fi-Musik. Ein Stimmungsgenerierendes Moment hiervon mag auch die Abgeklärtheit in Alison Stattons gesanglicher Darbietung von Stuart Moxhams eigentlich eher emotionalen Texten sein.
Heute
Nach der Instrumental-EP „Testcard“ tat die Band genau das richtige und löste sich auf, anstatt ihre Formel zu Tode zu reiten. Man suchte nach neuen Wegen, und so betätigte sich Stuart Moxham bei The Gist, deren Stück „Love At First Sight“ in der „Paris, le Flore“ betitelten Version von Étienne Daho zum Hit wurde. Alison Statton betätigte sich nach den Young Marble Giants bei den Bossa-Nova-beeinflussten Weekend. Es kam zu Kollaborationen mit unterschiedlichen Künstlern; seit 2003 spielt die Band wieder gemeinsam live.